Hast du mich lieb?

„Seid stark und euer Herz fasse Mut, alle, die ihr auf Jehova harret!“ Psalm 31,24

Mit diesen Worten schließt die Traurede eines römisch-katholischen Priesters, gespielt von Andrew Scott, in einer Sequenz aus der Serie „Fleabag“. Die Protagonistin der Serie, die in Deutschland 2017 auf Amazon Video erschien und mit sechs Emmys ausgezeichnet wurde, hat mit einem Konglomerat von Lasten zu kämpfen: der tragische Todesfall ihrer Freundin, schlecht laufende Geschäfte, eine gescheiterte Beziehung und verworrene Beziehungsverhältnisse zu ihren Familienangehörigen. Als Krönung dieser chaotischen Zustände verliebt sie sich in den Priester, der ihren Vater trauen soll. Es entwickelt sich eine komplizierte Affäre zwischen den beiden, solange bis sich der Priester gegen die Liebe und für sein Amt entscheidet. In einer unkonventionellen Predigt bei der Hochzeit des Vaters, erklärt er, dass sich Liebe nicht immer leicht anfühlen muss, um richtig zu sein. Es sei mutig das Wagnis der Liebe einzugehen und Hoffnung zu bewahren. Auf mich wirken diese Worte so, als bezöge er sich damit nicht nur auf die Liebe zwischen Menschen, sondern auch und im Besonderen auf die Liebesbeziehung zwischen einem Menschen und Gott. Seine mutige Entscheidung zur Nachfolge und treuen Ausübung seines Amtes, das er als seine Berufung und Bürde ansehen mag, ist für mich auf die Liebe zu Gott zurückzuführen.

Narrative wie diese aus der Serie „Fleabag“ erzählen eindrücklich von Erfahrungen, Umständen und Entscheidungen, die Menschen treffen. Sie dienen als Vorbild, zur Orientierung oder zur Selbstreflexion, indem wir uns mit den Narrativen identifizieren oder abschrecken lassen. Die biblischen Schriften selbst verfahren auf ähnliche Weise und können dazu anregen, sich mit den biblischen Figuren und deren Erleben auseinanderzusetzen und auf sich selbst zu beziehen. Wenn die Bibel selbst mit Erzählungen arbeitet, um didaktisch Inhalte zu vermitteln, so erscheint es mir mehr als angebracht ähnliche Verfahrensweisen zu adaptieren um biblische Themen zu vermitteln.

Die Eingangs beschriebene Szene kann aus meiner Sicht dazu dienen, verschiedene Ebenen anzusprechen, die mit Nachfolge und Beziehungen zusammenhängen. Dabei wäre mein Anliegen eine Identifikation mit biblischen Figuren zu erreichen. Beispielsweise wäre es denkbar zunächst die Berufungsgeschichte von Petrus zu lesen und mit der Berufung von Nikodemus gegenüber zu stellen. Petrus reagiert mit konsequenter Nachfolge (Lukas 5,1-11), ohne Rücksicht auf Verluste, obwohl er verheiratet ist (In Matthäus 8,14 ist von seiner Schwiegermutter die Rede). Nikodemus hingegen ist nicht bereit auf seine Stellung und das Leben zu verzichten, das er sich erarbeitet hat. Aus Johannes 3,1-2 lässt sich schließen, dass Nikodemus sehr beeindruckt von Jesus war. Trotzdem kommt er heimlich in der Nacht zu ihm und meidet die Öffentlichkeit. Später in Johannes 7,50-52 verteidigt er Jesus sogar vor den jüdischen Autoritäten und sorgt nach Johannes 19,39 für eine würdige Bestattung des Leichnams von Jesus. Mit weiterer Interpretation ließe sich auf einen inneren Konflikt des Pharisäers schließen. Fragestellungen dazu und Diskussionsgruppen könnten die Motive von Petrus und Nikodemus evaluieren.

Erst im Anschluss würde ich die Szene aus „Fleabag“ („Fleabag – Wedding speech by The Priest“ https://youtu.be/yZbV-bZdmFY – Stand 25.11.2022) zeigen, um damit eine Verbindung zur heutigen Berufung von Personen herzustellen. Die Reflektionsfragen zu Petrus und Nikodemus, könnten sich dann auch auf den Priester der Serie beziehen. Berufung und Nachfolge sind gewiss nicht auf Personen beschränkt die geistliche Ämter ausüben. Je nach Zielgruppe der didaktischen Einheit kann ein weiteres Beispiel eingeführt werden.

Mit Johannes 21 wäre schließlich die Beziehung eines Menschen zu Gott aufzugreifen, die Ursprung und Ziel von Berufung ist: „17 Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon⟨, Sohn⟩ des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe! […] Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!“

Eine Liebesbeziehung zu Gott ist aus christlicher Sicht möglich, weil Gott die Menschen zuerst geliebt hat (Johannes 3,16). Gott entäußerte sich und wurde selbst Mensch. Er wurde Kind in einem Stall und ging damit zutiefst menschliche Beziehungen ein. Die natürliche, angeborene Beziehung zu seiner Mutter, zu seinem Vater, zu Geschwistern. Später kamen Beziehungen hinzu, die er selbst angestrebt hat. Er wählte sich Personen aus, die zu seinem engsten Kreis gehören sollten. Dabei achtete er nicht auf Stellung in der Gesellschaft, Reichtum oder andere Errungenschaften. Durch die Berufung von Petrus wird sogar deutlich, dass er sich nicht einmal aufgrund von Integrität oder Treue für die Personen entschied. Jesus selbst kündigte Petrus an, dass er ihn dreimal verleugnen würde und so geschah es.

Genauso wählt Gott auch heute Personen aus, die fehlbar und verführbar sind. Der Priester in der Serie entscheidet sich zwar für seine Nachfolge, jedoch nicht ohne vorher zu fallen und sein Amt zu verleugnen. Genau dafür steht die Botschaft vom Kreuz. Menschen, die Gott nachfolgen, müssen nicht perfekt sein. Sie gehen eine Beziehung ein, die Höhen und Tiefen hat. Nachfolger von Christus, die Christen, schauen dabei auf das Kreuz und wissen: „mir ist vergeben“, der Weg zu Gott ist frei.

Was also ist die angemessene Antwort auf Gottes Frage: „Hast du mich lieb?“ Für Petrus bedeutet Nachfolge „die Schafe zu weiden“. Für den Priester bedeutet es im Zölibat zu leben. Der Weg ist individuell, wie Beziehungen und Menschen selbst. Die Erzählung von Nikodemus zeigt: Gott lässt die Freiheit zu entscheiden, ob wir dem Ruf der „Be-RUF-ung“ antworten oder nicht. Er fragt: „Hast du mich lieb?“

Die Bedeutung des sakralen Raumes in der Gottesdienstpraxis

Ich bitte euch nun, liebe Brüder und Schwestern, bei der Barmherzigkeit Gottes: Bringt euren Leib dar als lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer – dies sei euer vernünftiger Gottesdienst! (Röm 12,1)

In Frankfurt am Main liegt der Anteil aktiver Gottesdienstbesucher im Verhältnis zu Mitgliedern der EKHN bei nur einem %.[1] Woran liegt es, dass eine Beteiligung so gering ist? „Evangelischer Gottesdienst ist Gott-menschlicher Wortwechsel“, so wurde im Anschluss an Luther formuliert.[2] Doch reicht alleine die Verkündigung des Evangeliums aus, um Besucher anzuziehen? Was macht einen Gottesdienst anziehend?

Die globale Pandemie hat seit Anfang 2020 nicht nur den Lebensalltag der meisten Menschen verändert. Ein tiefgreifender Wandel lässt sich in den unterschiedlichsten Bereichen verzeichnen, bis hin zur gottesdienstlichen Praxis, die nunmehr von Hygienekonzepten beeinflusst wird.

Wo Menschen zuvor Seite an Seite saßen oder standen, um Gott gemeinsam anzubeten – in Form von gemeinschaftlichem Gesang, Fürbitten, vom Hören der Predigt und der gemeinsamen Abendmahlsfeier – da ist heute Abstand halten das Gebot, Maskentragen und der Schutz vor Ansteckung spielen eine große Rolle.

Begonnen mit dem Ausfall der Begrüßung, über weggefallenes gemeinsames Essen nach dem Gottesdienst, bis hin zu Ortswechsel unter freiem Himmel sind die Veränderungen deutlich wahrnehmbar.

Augenscheinlich beeinflusst selbst die Bestuhlung ein Erleben des Gottesdienstes. Anstelle von Sitzreihen, finden sich einzeln angeordnete Stühle, die einem Besucher das Gefühl vermitteln sich alleine in einem großen Raum zu befinden. Welchen Einfluss hat dann erst die Gestaltung des sakralen Raumes als Gesamtes? Gibt es eine Wechselwirkung zwischen räumlicher und liturgischer Ordnung im Gottesdienst?

Ein kurzer Abriss der historischen Entwicklung und eigene Beobachtungen der aktuellen Gottesdienstpraxis verschiedener christlicher Konfessionen, sollen zu Handlungsempfehlungen führen.

  1. Die Theologische Rolle in der Architektur von Sakralbauten

Ein Paradigma für die emotionale Wirkung eines Raumes, ist der sogenannte Holocaust-Turm im jüdischen Museum Berlin, entworfen von dem amerikanischen Architekten Daniel Libeskind. Dieser Raum kann enorme Beklemmungen auslösen, wenn man ihn betritt. Es handelt sich um einen isolierten Gebäudesplitter, der nur über einen unterirdischen Gang erreichbar ist. Jener konisch zulaufende Korridor mündet in einen unbeheizten engen, aber hohen Betonschacht, der schallisoliert und nicht beleuchtet ist. Einzig durch einen schmalen Schlitz im Dach des Raumes dringt etwas Tageslicht, dass jedoch den unteren begehbaren Bereich des Turmes kaum erreicht. Dieser von Exponaten befreite Raum kann eine eindrucksvollere Wirkung auf den Besucher haben als die Ausstellung des Museums selbst.

Wer bereits einen gotischen oder romanischen Sakralbau betreten hat, wird das Gefühl nachempfinden können, aufgrund einer räumlichen Gestaltung von plötzlicher Ehrfurcht ergriffen zu sein. Mehr oder weniger unbewusst wirken die imposanten Schiffe dieser Kirchen, aufgrund ihrer Raumhöhe, Weite und massiven Säulen, auf Eintretende. Der in Rippengewölben sichtbar werdende Lastabtrag des Daches vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und zur gleichen Zeit der Verlorenheit inmitten eines so großen Raumes, in dem der Besucher unterzugehen scheint.

  1. A – Sakrale Architektur in vorchristlicher Zeit

Bereits zu alttestamentarischen Zeiten wurden sich solche Phänomene zu nutzen gemacht. Die ersten sakralen Räume biblischen Zeugnisses, waren einfache Altäre (Gen 12,7). Ein Bauplan der Stiftshütte wird Mose von Gott eingegeben (Ex 25-30), einem transportablen Zelt, das als Heiligtum und Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen dienen sollte. Später fungierte die Stiftshütte dem salomonischen Tempel in Jerusalem als Vorbild (1. Kön 6 f.). Im 10. Jh. v. Chr. wird durch die Architektur dieses Gebäudes eine Heiligkeit und Unnahbarkeit Gottes in Form eines Langraumtempels mit einem besonderen Seitenverhältnis (1:3) im Vergleich zur Zeit seiner Errichtung üblichen Bauweise ausgedrückt. Auf diese Weise wird die Beschreibung Gottes aus Passagen des Tanach, wie beispielsweise Ex 19,12; 2. Sam 6 oder Jes 6,5, räumlich visualisiert.[3]

Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Tempelbauten nicht zur Versammlung und Feier von Gottesdiensten im heutigen Sinne konzipiert waren. Von gegenwärtigen Bräuchen auf die Vergangenheit zu schließen, wäre fatal. Zur damaligen Zeit war der Tempel ein Ort zur Ausübung individueller oder auch gemeinschaftlicher Anbetungsformen durch Weihegaben, Opferungen und anderer Rituale.  Durch die räumliche Gestaltung wurden solche Rituale in ihrer atmosphärischen Wirkung unterstützt.

Bei der Stadtplanung im Mittelalter lässt sich beobachten, dass Straßen und Wege bewusst nicht geradlinig angelegt wurden, sondern Kurven und Knicke beschreiben, um dem Passanten eine Perspektive auf die am Wegesrand befindlichen Fassaden zu ermöglichen. 

Der für die Weltausstellung 1929 von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Barcelona-Pavillon gehört zu den bekanntesten Beispielen der Bauhaus-Architektur und illustriert ineinanderfließende Räume, sowie durch die Raumgestaltung gezielt geführte Blickachsen und Wegeführungen. Durch die Anordnung von Wandscheiben wird der Besucher immer wieder gezwungen, seinen Blick und seine Bewegungsrichtung zu ändern. Mies van der Rohe macht sich also ein ähnliches Phänomen zunutze, indem er Wandscheiben so anordnet, dass ein Besucher des Pavillons immer wieder die Richtung und die Perspektive ändern muss. Er führt somit bewusst den Blick des Betrachters.

Ähnliche Phänomene finden sich bei der Gestaltung des salomonischen Tempels. Während die Blickachse vom Tempeleingang zum Kultbild erhalten bleibt, wird die Wegeführung vom Eingang bis zum Standort des Gottesbildes verändert. Ein direkter, geradliniger Gang dorthin ist nicht länger möglich, da ein Podium, auf dem sich vermutlich Opferungen abspielten, diesen Weg blockiert. Der Anbeter wird gezwungen um dieses Podium herum zu gehen. Dabei verändert sich seine Blickrichtung und er nimmt den Raum aus unterschiedlichen Perspektiven wahr.

  1. B – Sakrale Architektur in nachchristlicher Zeit

In der Apostelgeschichte lesen wir von den ersten christlichen Zusammenkünften in Privathäusern, die für gemeinsame Gebete, Malfeiern und Taufen dienten. Die Gemeinschaft der Gläubigen, die Versammlung selbst, verstand sich als Tempel Gottes (1. Kor 6f., Eph 2,21). Gebäude wurden nicht nach dem Vorbild des Jerusalemer Zentralheiligtums, sondern nach Zweckmäßigkeit errichtet und wurden „Ekklesia“ genannt (gr. Versammlung).[4] Auch heute noch wird der Begriff „Gemeindebau“ nicht nur baulich verstanden, sondern eher gemeindepädagogisch.

Zur Zeit der konstantinischen Wende entstanden staatskirchliche Präsentationsbauten, die Elemente des oströmischen Kaiserkultes aufwiesen. Die „Basilika“ mit Altar und Apsis, dem Sitz des Bischofs, als zentrale Elemente, sind vorherrschend. Demnach sind Einflüsse anderer Kulte wahrnehmbar und die Raumgestaltung folgt nicht allein theologischen Prämissen.

Dass die Liturgie maßgeblich die bauliche Form einer Kirche beeinflusst, lässt sich am Beispiel des Zusammenhangs zwischen Chrysostomos-Liturgie und orthodoxer Sakralarchitektur erkennen. Durch die dramaturgische Überhöhung des Kultes, entstand die Ikonostase, eine hochaufragende Bilderwand, die den Klerus vom Rest der anwesenden Gemeinde trennte.[5]  Diese räumliche Trennung erinnert an die Stiftshütte und den salomonischen Tempel, in denen das Allerheiligste als Ort der Begegnung Gottes den Priestern vorbehalten war. In römisch-katholischen Sakralräumen finden sich häufig Lettner, Chorschranken, die den Altarraum vom Besuchsraum trennen.

Vergleicht man moderne Kirchen und beispielsweise Sakralbauten aus der Gotik oder Romanik, so werden gravierende Unterschiede schnell deutlich.

Die Betonung von Höhe, die Ausdehnung der Räume und die Massivität in der Konstruktion weichen in der Moderne einer Betonung der Gemeinschaft in der Gemeinde. Eine gemeinsame Ausrichtung auf Gott zur Anbetung wird durch breitere Räume deutlich, die auf einen zentralen Punkt ausgerichtet sind und dennoch Blickbezüge zwischen den Besuchern zulassen.  Der Altar rückt zur Reformationszeit eher in die Mitte des Raumes, um die Nähe zu den Besuchern herzustellen, die auch Jesus selbst beim Abendmahl an den Tag legte. Die theologische Bedeutung und Akzentuierung wird somit in der Architektur und Gestaltung der Räume sichtbar.

Durch die Reformation kehren sakrale Raumkonzepte zur Funktionalität der frühen Christengemeinden zurück. Luther legt den Psalm 118 folgendermaßen aus:

„.. er wonet, wo sein wort ist, Es sey auff dem felde, inn der kirchen, oder auff dem meer, widderumb, wo sein wort nicht ist, da wonet er nicht, ist auch sein haus nicht da, sondern der teuffel wonet daselbs, wenns auch gleich eine gülden kirche were, von allen Bischoven gesegnet.“[6]

Von in den 60er- und 70er Jahren üblichen multifunktionalen Raumgestaltung, mit flexibler Bestuhlung und beweglichen Prinzipalstücken, wie Altar, Kanzel und Taufbecken, wird aktuell abgesehen.[7] Es kann ein Einschlag zur Resakralisierung beobachtet werden, was eine rückläufige Entwicklung kenntlich macht.


2. Teilnehmende Beobachtung

Um die gottesdienstliche Praxis verschiedener Konfessionen miteinander zu vergleichen und eine Bewertung zu ermöglichen, werden die nachfolgenden Fragen beantwortet:

Wie ist der Raum gestaltet? Was ist in Bezug auf Belichtung, Bestuhlung, Wegeführung und Weiteres augenfällig? (1)

Inwiefern wird der Gottesdienstablauf, unter anderem mit Blick auf die Begrüßung, den Empfang und die Gestaltung des Abendmahls, von der Raumgestaltung beeinflusst? (2)  

Wie gestaltet sich die Interaktion der Gottesdienstbesucher untereinander und mit der Gottesdienstleitung? (3)

Welche Atmosphäre ist im Raum spürbar? Wie zeichnet sich das im Verhalten teilnehmender Personen ab? (4)

Und schließlich, wo gibt es Verbesserungspotential aus subjektiver Sicht? (5)

Dreikönigskirche (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau)

(1) Die evangelisch-lutherische Dreikönigsgemeinde ist eine neugotische Hallenkirche aus rotem Mainsandstein. Sie erinnert mit ihren getreppten Strebepfeilern, den Spitzgiebeln auf den Seitenschiffen und der einturmigen Westfassade an süddeutsche Stadtkirchen des 15. Jahrhunderts, entstand aber Ende des 19. Jahrhunderts. Im Inneren öffnet sich das Hauptportal der Kirche im Westturm zu einem kleinen Platz. Das Hauptschiff erstreckt sich über fünf Joche. Die drei vorderen Joche werden von Seitenschiffen mit mächtigen Sandsteinemporen flankiert. Die Emporen ruhen auf gedrückten Korbbögen, ihre Brüstungen sind mit einem filigranen Maßwerk verziert. Während diese Stilelemente ebenso wie das Netzgewölbe des Hauptschiffes und des 5/8-Chores der Formensprache der Spätgotik entnommen sind, gehören die altertümlichen Rundpfeiler einer früheren Epoche an.

(2) Zu Pandemiezeiten warten im westlichen Vorraum zwei Personen, die die Daten der Besucher aufnehmen. Eine persönliche und freundliche Begrüßung ist somit möglich. Besonders für Erstbesucher eine gute Gelegenheit zur Orientierungshilfe. Da die Sitzbänke alle zum Altar hin ausgerichtet sind, gestaltet sich die Platzwahl nur nach Nähe bzw. Entfernung zum Ort des Geschehens. Die Lehnen der Sitzbänke sind so hoch, dass man darin Schutz vor Blicken von außen findet und sich gut auf sich selbst konzentrieren kann, ohne abgelenkt zu werden. Den größten Teil der Liturgie verbringen die Besucher am eigenen Platz. Um das Abendmahl zu feiern, wird dazu eingeladen nach vorne in den Altarraum zu treten, auf eine mehrstufige Empore, was einen radikalen Ortswechsel bedeutet, von der Sicherheit der Bänke zu einer exponierten Position. Die am Abendmahl teilnehmenden verteilen sich in einem Kreis um den Altar herum. Der Pfarrer und ein Mitglied des Kirchenvorstandes teilen Hostien und Traubensaft aus und sprechen den Empfängern dabei individuelle Verse zu. Durch die kreisförmige Anordnung kann dabei jeder auch die anderen Teilnehmenden wahrnehmen und es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Bevor sich die Gruppe auflöst und wieder auf die einzelnen Plätze begibt, wird noch ein Segen gesprochen.

(3) Die Abschirmung durch die hohen Sitzbänke, vermittelt das Gefühl den Gottesdienst für sich erleben zu können. Bei einzelnen liturgischen Elementen, wie dem Glaubensbekenntnis stehen die Besucher gemeinsam auf und nehmen sich stärker als Gemeinschaft war. Nach dem Gottesdienst begeben sich Pfarrer und Kirchenvorstandsmitglieder nach draußen vor den Eingang, um die Besucher zu verabschieden und sich für persönliche Gespräche zur Verfügung zu stellen.

(4) Bereits beim Eintritt in den sakralen Raum ist die Ruhe und Stille im Raum vorherrschend. Es wird nicht gesprochen und auch andere Geräusche werden vermieden. Die Gelegenheit ganz auf sich und Gott fokussiert zu sein, kann als Privileg gegenüber nicht sakralen Räumen empfunden werden.

(5) Selbstverständlich ist eine objektive Beurteilung kaum möglich. Die Wahrnehmung der Geschehnisse und das Empfinden sind so individuell, dass es kein „Universal-Rezept“ geben kann. Für die Besucher, größtenteils fortgeschrittenen Alters, schienen mir die Vorgehensweisen und die Gestaltung der Räume adäquat zu sein.

Evangelische Luthergemeinde (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau)

(1)Die 1893 eingeweihte Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.Nach den Plänen von Ernst Görcke, Oberbaurat des Evangelischen Regionalverbandes, wurde der Kirchturm wiederhergestellt und ein neues Kirchenschiff im Baustil der 1950er Jahre angebaut. Links und rechts des Turmes wurde bei einem weiteren Ausbau in den Jahren 2002 bis 2004 je ein mehrstöckiger Glaskubus zugefügt, in dem Gruppenräume, ein Büro und eine Küche untergebracht sind. So entstand bis vor wenigen Jahren ein interessanter architektonischer Mix verschiedener Epochen.

Der Kirchenraum vermittelt einen einschiffigen Eindruck, obwohl die Wände rings um von freistehenden, dünnen Stützen begleitet werden. Unmittelbar unter dem flachen Dach befindet sich ein umlaufendes Fensterband. Das Kirchenschiff weist die klassische Form auf und mündet in einem halbrunden Chor. Hier befindet sich der wuchtig in dunklem Lahnmarmor gestaltete und um sechs Stufen erhöhte Altarbereich. An der Westseite des Kirchenschiffs befindet sich die Empore mit der Orgel. Zahlreiche Buntglasfenster, darunter acht Rundfenster mit Motiven, die an die Seligpreisungen erinnern sollen, prägen das Licht im Gottesdienstraum.

(2) Auch hier wird zu Pandemiezeiten Datenerfassung im Vorraum betrieben. Anders als in der Dreikönigskirche sind die Sitzbänke nicht alle in eine Richtung organisiert, sondern dem halbrunden Chorraum entsprechend zugewandt, die mittleren Reihen sind gerade auf den Alter hin ausgerichtet, während die äußeren Reihen schräg gestellt sind, sodass alle Blicke auf den zentralen Punkt hingelenkt werden, und gleichzeitig Blickbezüge zwischen den Sitzreihen ermöglicht werden. Durch diesen Sachverhalt und den insgesamt sehr hellen und offenen Raum wird eine ganz andere Wirkung erzielt, als es in der Dreikönigskirche der Fall ist. Das gemeinschaftliche Erleben steht deutlicher im Mittelpunkt. Aufgrund der Pandemie wird zum Zeitpunkt der Beobachtung jedoch kein Abendmahl gefeiert.

(3) In der Lutherkirche wird viel Wert auf die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes gelegt. Weitgehend ist jedoch die Liturgie mit der Dreikönigskirche vergleichbar, weshalb auf eine Wiederholung des Berichts verzichtet werden kann.

(4) Die Atmosphäre ist jedoch nicht vergleichbar. Der helle Raum und die einander zugewandten Sitzreihen, bewirken eine Haltung, die weniger introvertiert ist. Möglicherweise wird ein Besucher dort weniger frei die Augen schließen und die Hände zum Gebet erheben, aus dem Gefühl heraus beobachtet zu werden. Augenfällig ist auch, dass sich deutlich jüngere Gottesdienstteilnehmer finden, als in der Dreikönigskirche.

(5) Auch hier kann eine Bewertung nur äußerst subjektiv ausfallen. Das gemeinschaftliche Erleben könnte aus meiner Sicht jedoch noch stärker betont werden.

Liebfrauenkirche (Römisch-Katholische Kirche und Kapuziner Kloster)

(1) Die Liebfrauenkirche entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts als Bürgerstiftung im gotischen Stil. Der Zugang zur Kirche befindet sich im Innenhof des Klosters. Es ist ein Ort der Stille innerhalb der ansonsten belebten Innenstadt von Frankfurt. Bereits hier, umgeben von den sakralen Gebäuden, ist die besondere Atmosphäre spürbar, die Ruhe überträgt sich. Gottesdienstbesucher betreten die Räumlichkeiten über einen Kreuzgang. Nach dem Eingang stehen Weihwasserbehälter bereit, vermutlich um sich für die Zeremonien selbst zu segnen und zu reinigen. Kirchenbänke mit Knievorrichtung sind zum Altar hin ausgerichtet. Der Raum ist geschmückt mit Abbildungen und Statuen von Heiligen, die teilweise an biblische Szenen erinnern.

(2) Bevor der Gottesdienst beginnt und sich die Besucher einen Platz suchen, wird am Eingang zur Sitzbank mit Blick zum Altar ein Knie gebeugt und ein Kreuzzeichen vor der Brust mit der Hand ausgeführt. Die Handlungen erinnern daran, dass ein heiliger Ort betreten wird. Die meisten Besucher sprechen nicht und sind ganz auf sich selbst, ihr Erleben der Umgebung und die bevorstehenden Ereignisse im Gottesdienst konzentriert.

Während der Liturgie werden unterschiedliche Körperhaltungen eingenommen. Die Sitzbänke ermöglichen es, zwischen knien, sitzen und stehen abzuwechseln. Zum Beten heben die Besucher entweder ihre Hände mit den Handflächen nach oben zeigend oder falten die Hände vor ihrer Körpermitte. Zur Einnahme des Abendmahls treten die Besucher einzeln nach vorne und empfangen Hostien. Hier spielen symbolische Einrichtungsgegenstände eine große Rolle. Während der Prozedur gibt es die Möglichkeit am eigenen Platz zu beten und die Unterbrechung der Liturgie zur eigenen Besinnung zu nutzen.

(3) Der Priester leitet die Gemeinde an. Gottesdienstbesucher antworten mit gesprochenen oder gesungenen Formeln. Es wird gemeinsam gesungen. Durch die uniformierten Handlungen wird das individuelle Erleben zu einer Erfahrung der zeitlich unveränderten Einheit unter den Glaubenden dieser Konfession.

(4) Viele traditionelle Rituale tragen dazu bei, in einen fast meditativen Zustand zu kommen. Weihrauch und Kerzenschein regen zusätzlich den olfaktorischen Sinn an. Die Atmosphäre ist geprägt von einer ergreifenden Feierlichkeit.

(5) Was mir fehlt ist die persönliche Ansprache. Ein Austausch untereinander wird kaum gefördert. Sowohl das Glaubensbekenntnis als auch Gebete schließen andere Konfessionen nicht mit ein, was einerseits eine besondere Exklusivität ausdrückt, aber nicht besonders einladend auf Besucher wirkt. Die Gestaltung der Räume harmoniert mit der Gestaltung des Gottesdienstes.

St. Markus Gemeinde (koptisch-orthodoxe Kirche)

(1) Die Kirche und das Gemeindezentrum befinden sich im ehemaligen Bürgertreff Käthe-Kollwitz-Haus im Wohnviertel Industriehof des Stadtteils Frankfurt-Bockenheim. Der von der städtischen Saalbau GmbH errichtete Bau war 1963 als seinerzeit siebtes Frankfurter Bürgerhaus eröffnet worden. Wegen Unrentabilität wurde das Gebäude 1998 an die koptisch-orthodoxe Gemeinde Frankfurt verkauft, die bis 1997 in einer evangelischen Kirche zu Gast war. Ein Teil wird jedoch nach wie vor als städtischer Kinderhort genutzt.

Auffallend im Innern des ansonsten schlichten Flachbaues ist die reich verzierte und bunt bemalte Ikonostase, die den Altarbereich vom inneren Kirchenschiff abtrennt. Der Gottesdienstraum selbst ist von geraden Linien und Einfachheit geprägt.

(2) Um das Abendmahl einzunehmen, wird, dem Beispiel der Stiftshütte folgend, ein abgesonderter Raum betreten, der sich hinter der Ikonostase befindet. Um die Heiligkeit des Ortes zu betonen, werden die Schuhe vor dem Eintritt abgelegt. Frauen und Männer verwenden jeweils einen eigenen Eingang der sich rechts bzw. links am Raumende befindet. Auch die Sitzordnung während des Gottesdienstes folgt dieser Unterscheidung in rechter und linker Hälfte des Raumes. Die gesprochenen und gesungenen Texte, abgesehen vom Predigttext, werden auf einem Bildschirm in koptischer, arabischer und deutscher Sprache angezeigt, so dass Besucher während des Gottesdienstes mitlesen und verstehen können. Nach dem Gottesdienst wird, zu nicht pandemischen Zeiten, ein Agape-Mahl eingenommen, was ein gemeinschaftliches Mittagessen bedeutet.

(3) Die Liturgik ähnelt dem römisch-katholischen Gottesdienst. Immer wieder spricht oder singt der Abuna (Priester) oder die Messdiener einen Teil und die Gemeinde antwortet darauf. So entsteht ein ständiges Zwiegespräch.

(4) Durch viele regelmäßige Angebote außerhalb der sonntäglichen Gottesdienstfeier in den Gemeinderäumlichkeiten ist eine gewachsene Gemeinschaft und familiäre Atmosphäre spürbar. Der Umgang miteinander ist sehr herzlich und offen.

(5) Für mich persönlich ist es befremdlich, dass zwischen den Geschlechtern so stark unterschieden wird. Frauen dürfen nicht öffentlich lehren, spielen im Gottesdienst keine leitende Rolle und tragen zumeist auch eine Kopfbedeckung während der Liturgie und des Abendmahls. Objektiv betrachtet soll diese Trennung eine Fokussierung auf die Interaktion mit Gott ermöglichen. Mich hat es eher davon abgelenkt, weil mir die Praxis fremd ist. In Bezug auf die Raumgestaltung wird sehr viel Wert auf unterstützende Symbolik gelegt.

Move Church (Freikirche mit Nähe zum Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden)

(1) Das mainhaus Stadthotel Frankfurt handelt im Sinne von Adolph Kolping weltoffen und multikulturell. Er hat Menschen über alle Konfessionen hinweg verbunden – sein Anliegen war die Reduktion auf das Wesentliche. Dem entspricht auch die Architektur des Gebäudes, klar und puristisch. Der Zutritt zum eigentlichen Gottesdienstraum wird durch eine Sichtschutzwand umgeleitet, sodass der Besucher um die Wand herumgehen muss, bevor er die Bühne, als Zentrum des Geschehens, sehen kann. Die Stuhlreihen sind alle zur Bühne ausgerichtet, in geraden Reihen (in Zeiten von Covid zu je zweier- und vierer-Sitzgruppen), so dass alle Blicke nur zur Bühne, nicht zu den übrigen Gottesdienstbesuchern ausgerichtet sind. Der Raum ist abgedunkelt und gezielt beleuchtet. Es gibt diverse Beleuchtungsmodi, die voreingestellt sind und zu verschiedenen Szenarien im Gottesdienst per Knopfdruck abgerufen werden können. Während des Gottesdienstes ist der ansonsten helle Konferenzraum kaum wiederzuerkennen. Sonntag für Sonntag wird eine enorme Anstrengung unternommen den Raum und die Bühne vorzubereiten und technisch auszurüsten.

(2) Ein „Welcome-Team“ begrüßt die Besucher bereits vor Eintritt in das Gebäude und heißt sie herzlich willkommen. Überall stehen freundliche, ehrenamtliche Mitarbeiter, die Plätze zuweisen, Getränke verteilen und sich mit neuen Besuchern unterhalten. Zu diesem Zweck gibt es ein Foyer, einen Begrüßungsraum. Der eigentliche Gottesdienstraum wird erst kurz vor Beginn der Feier geöffnet. Es wird ein „Countdown-Video“ gestartet, das die verbleibende Zeit bis zum Beginn der Gottesdienstfeier anzeigt und bereits stimmungsvolle Musik und bewegte Bilder im Saal verbreitet. Dann beginnt die Band unter Jubel und Applaus zu spielen. Es werden moderne, teilweise selbst komponierte Lobpreislieder gesungen. Alles spielt sich auf der Bühne ab. Der Gottesdienstbesucher hat dadurch – auch begünstigt durch die Dunkelheit und die Lautstärke im Besucherraum – das Gefühl, Beobachter zu sein und gleichzeitig unbeobachtet teilnehmen zu können, sich fallen zu lassen. Ca. 10 Minuten vor Ende der Predigt setzt sanfte Keybordmusik ein, um den Sprecher dramaturgisch zu unterstützen. Im Sonntagsgottesdienst wird kein Abendmahl gefeiert. Es ist bei besonderen Festgottesdiensten oder Hauskreisen vorgesehen.

(3) Das Publikum wird gezielt in Form einer Moderation durch den Gottesdienstablauf begleitet. Auch neue Besucher haben so die Möglichkeit problemlos dem Ablauf zu folgen und sich nicht „verloren“ zu fühlen. Es herrscht ein wertschätzender Tonfall zwischen den Akteuren auf der Bühne. Die Besucher klatschen und rufen an gewissen Stellen der Predigt. Die Lieder werden laut mitgesungen, es wird geklatscht und teilweise sogar getanzt. Die Resonanz des Publikums ist also vergleichsweise hoch.

(4) Es herrscht „Club-Atmosphäre“, erinnert an eine Diskothek, auch durch die laute Musik und die jungen Besucher. Die Stimmung ist von einer Ausgelassenheit geprägt. Betont wird das Gemeinschaftsgefühl.

(5) Der ganze Ablauf und die Raumgestaltung wirkt sehr inszeniert und geplant, fast manipulativ, was stärker auffallend ist als bei traditioneller Gottesdienstgestaltung, da die Gewohnheit nicht gegeben ist. Wenn man die Intentionen der am Gottesdienst mitwirkenden nicht kennt, könnte das besorgniserregend sein. Ich war jedoch bereits oft bei der Vorbereitung solcher Gottesdienste zugegen und kann berichten, dass der Raum und die Atmosphäre nicht nur durch Technik und Inszenierung, sondern vor allem im Gebet vorbereitet wird. Das Ziel der Mitarbeiter ist es, durch den Einsatz von Technik und Gestaltung, das Wirken Gottes im Raum zu unterstützen. Eine Beurteilung, ob das theologisch unbedenklich ist, will ich mir an dieser Stelle nicht anmaßen.

3. Resümee

Was ein „vernünftiger“ Gottesdienst sei, darauf gibt Röm 12,1 eine herausfordernde Antwort. Meine ursprüngliche Frage danach, was einen Gottesdienst für Besucher anziehend macht, ist bei weitem nicht so umfassend angelegt und trotzdem scheint eine Antwort im Zusammenhang mit der Raumgestaltung komplexer auszufallen als ich zunächst angenommen hatte.

Im Laufe der Betrachtung historischer Entwicklungen, sowie aktueller Praxis verschiedener Konfessionen, schien es mir wichtig zu werden, Gottesdienstteilnehmer in den Fokus zu nehmen, um Abläufe und Gestaltung auf die „Zielgruppe“ abzustimmen. Für mich ist erkennbar, dass zu jeder Zeit nicht nur theologische Konzepte, sondern auch die gegebenen kulturellen Umstände auf die Gestaltgebung der sakralen Räume und Gottesdienstabläufe einwirkten. Aktuell ist dies am Beispiel der gängigen Praxis in der Move Church in der deutlichsten Form ablesbar. Hier werden zeitgemäße Gestaltungselemente aus sekulären Versammlungen, wie Konzerten oder anderen Veranstaltungen, auf den Gottesdienst angewendet. Demgegenüber scheint die Praxis orthodoxer und römisch-katholischer Gemeinden sich nahezu kaum zu verändern und den Bedürfnissen heutiger Charaktere nicht anzupassen. Wobei auch hier eine Entwicklung, angefangen bei Steinaltären über Tempel und urchristlicher Zusammenkünfte, stattgefunden hat. Die Reformation hat mehrere Jahrhunderte später eine neue Trendwende gebracht. Der lutherische Ansatz auf gestalterische Elemente weitgehend zu verzichten und das Wort Gottes selbst wirken zu lassen, richtet das Augenmerk weg von den Gottesdienstteilnehmern hin zu Gott selbst, dem der „Dienst“ gewidmet sein soll.

Es kristallisiert sich eine theologische Frage heraus, die weit mehr Aufmerksamkeit verdient als ein kurzer Projektbericht Möglichkeit bietet. Handlungsempfehlungen, wie etwa den Gottesdienst und die Räume, in denen er stattfindet, nach den Bedürfnissen von Besuchern zu entwerfen, scheinen mir ob der komplexen Aufgaben nicht zufriedenstellend. Vielmehr sollten die Ausrichtung und der eigentliche Zweck definiert werden. Geht es darum eine höhere Quantität an Besuchern zu erzielen, dann scheint die Move Church auf dem richtigen Weg zu sein. Die Teilnehmerzahlen steigen hier stetig an. Geht es um die Qualität, im Sinne einer Abgrenzung zum Sekulären, dann scheint die Orthodoxe Kirche, zumindest im Blick auf Ursprünglichkeit und überlieferte Traditionen, adäquat zu handeln. Unbeabsichtigt sind meine Beobachtungen in der Reihenfolge festgehalten, wie sie mit aufsteigenden Besucherzahlen konform ist. Für mich steht zum Ende jedoch diese Frage nicht mehr, so wie zu Beginn, im Vordergrund. Theologisch wäre vielmehr zu diskutieren, inwieweit überhaupt durch Gestaltungsmaßnahmen unterstützt werden sollte, ohne Gottes Handeln und Wirken selbst damit einzuschränken und darüber den klaren Missionsauftrag aus Mt 28,19-20 nicht außer Acht zu lassen.

„Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.“ Röm 12,2


[1]  vgl. Heinrich Bedford-Strohm and Volker Jung, Vernetzte Vielfalt. Kirche Angesichts von Individualisierung Und Säkularisierung. Die Fünfte EKD-Erhebung Über Kirchenmitgliedschaft (Gütersloh, 2015).

[2]  Alexander Deeg, Das Äußere Wort Und Seine Liturgische Gestalt. Überlegungen Zu Einer Evangelischen Fundamentalliturgik. (Göttingen, 2012). 455

[3]  vgl. Wolfgang Zwickel, “Der Salomonische Tempel Und Seine Wurzeln – Die Geschichte Der Tempel,” Welt Und Umwelt Der Bibel – Archäologie – Kunst – Geschichte Nr. 13-3, no. Tempel (1999): 22–25. 25

[4]  vgl. Thomas Klie, “Gottesdienst Im Raum,” in Liturgisches Kompendium (Vandenhoeck & Ruprecht, 2003), 260–81. 262

[5]  vgl. ebd.

[6] Klie, “Gottesdienst Im Raum.” 264

[7]  vgl. Klie. 266

Die Kirche und die Frauen..

„In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.“ So lautet die erste von sieben im Februar 2021 veröffentlichten Thesen der Frauen-Bewegung „Maria 2.0“, die nach dem Vorbild Martin Luthers zur Reform der Kirche aufrufen wollen.

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist in unserer Gesellschaft weit vorangeschritten, wenn auch noch nicht bis zur letzten Konsequenz. Unverkennbar ist jedoch, dass die Stellung der Frau in christlichen Kirchen eklatante Diskrepanzen zur Stellung des Mannes aufweist und damit dem Fortschritt in der Gesellschaft hinterherhinkt. Hier muss unbestritten unter den verschiedenen christlichen Konfessionen unterschieden werden. Modern gestaltete und nach außen liberalistisch und aufgeklärt wirkende Freikirchen sind dabei häufig rückständiger in dieser Entwicklung, als es die evangelischen Landeskirchen sind. Sowohl in der römisch-katholischen Kirche, als auch in den verschiedenen orthodoxen Kirchen sind Frauen bis heute nicht zum Priesteramt zugelassen.

Nach Mk 3, 13-19 hat Jesus Christus selbst ausschließlich Männer zum Dienst der Verkündigung berufen und als Apostel erwählt. Lassen sich daraus allgemeingültige Anweisungen ableiten, die für die Struktur der Kirche heute maßgeblich sein sollten? Ist nicht vielmehr der gesamtbiblische Kontext in diese Überlegungen einzubeziehen? Wie wird die Relation von Frau und Mann in der Bibel dargestellt und welche Aussagen zum Dienst der Frau in der Gemeinde gibt es außerhalb dieser wenigen Verse?

Diesen Fragen möchte ich im Folgenden nachgehen und mit der Gesamtaussage der Bibel, wie sie sich nach meiner hermeneutischen Sicht darstellt, abgleichen.

Aus der beschriebenen Perikope des Markus-Evangeliums geht hervor, dass 12 Männer zum Dienst der Verkündigung und der Dämonenaustreibung berufen sind. Ist die Tatsache, dass keine Frau erwähnt wird, ein Beleg dafür, dass ausschließlich Männer geeignet sind diese Dienste auszuüben? Um dieser Schlussfolgerung konsequent nachzukommen, wären einzig die hier konkret benannten Personen berufen und überdies kein anderer Mann. Es scheint sich so zu verhalten, dass die Tatsache männlich zu sein, noch keine ausreichende Voraussetzung zur Berufung ist. Bereits im Pentateuch sind nicht Männer im Allgemeinen, sondern lediglich die Nachkommen Aarons zur Priesterschaft berufen. Im Neuen Testament finden sich weitere Kriterien, wie Reinheit, Heiligkeit, Besonnenheit und Ehrbarkeit (vgl. 1. Tim 3, 1-13 und Tit 1, 5-8).

Eine Bewertung dieses Sachverhaltes, ließe die Deutung zu, dass mit der Berufung einer sehr begrenzten Auswahl an männlichen Personen, keine Herabsetzung von Frauen im Allgemeinen verbunden ist. Es handelt sich dabei nur um eines von mehreren Kriterien und spricht nicht gegen eine Gleichstellung. Doch wie stellt sich das Rollenbild von Frau und Mann grundsätzlich im gesamtbiblischen Kontext dar? Gibt es ein Gefälle in der Wertung der Geschlechter?

Im 11. Kapitel des 1. Korintherbriefes stellt der Verfasser eine Ordnung zwischen Gott und den Geschlechtern auf, indem er eine Hierarchie zwischen den Parteien beschreibt. Aus kohärenten Gründen bezieht Gott in seiner Souveränität als Schöpfer den obersten Rang. Jesus Christus in seiner menschlichen Hypostase ist Gott unterstellt. Christus selbst wird nicht nur hier, sondern auch an einigen weiteren neutestamentlichen Stellen bezeichnet als Haupt seines Leibes, der Versammlung aller Gläubigen, Haupt jeden Fürstentums und jeder Gewalt, schließlich als Haupt über alles, somit auch Haupt eines jeden Mannes und einer jeden Frau.

In dieser göttlichen Ordnung wurde der Mann wiederum als Haupt über die Frau gesetzt. Die Frau bezieht den niedrigeren Rang, da sie für und nach dem Mann geschaffen ist. Der Mann ist nach dem Bild Gottes geschaffen, die Frau jedoch nach dem Bild des Mannes. Das in Gen 2, 18 verwendete Wort für „entsprechen“ (eine „Hilfe“ = Frau, die dem Mann „entspricht“) lässt sich aus dem hebräischen Grundtext auch mit „Ebenbild“ übersetzen.  

Diese Bestimmung wird auch im 5. Kapitel des Epheserbriefes vertreten. Die Frau wird aufgefordert sich dem Mann unterzuordnen, wie der Mann sich Christus unterordnen soll. Der Verfasser nimmt Bezug auf Gen 2, 24 und vergleicht die Ehe zwischen Mann und Frau mit der Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass auch ein Gebot an den Mann ergeht, seine Frau so zu lieben, wie Christus seine Gemeinde liebt. Der Mann trägt also Verantwortung für die Frau, kann aber nicht frei über sie verfügen, sondern ist autorisiert innerhalb dieses Liebesgebotes zu handeln. Die Unterordnung der Frau in dieser Konstitution spricht für mich gegen eine Perspektive der Gleichstellung. Wobei es hier angebracht scheint zwischen Rollenbild und Wertigkeit zu differenzieren. In unserer Kultur wird der Wert von Menschen überwiegend durch das definiert, was der Mensch leistet, über welchen Bildungsgrad, welche Profession und schließlich welches Einkommen er verfügt.

„Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ Demgegenüber macht Gal 3, 28 für mich deutlich, dass es in Bezug auf die Wertigkeit von Mann und Frau keinen Unterschied gibt. In der Beziehung zu Christus, auch eschatologisch, sind beide Geschlechter gleichgestellt. Doch bereits in der Schöpfungsgeschichte nach Gen 1, 27 sind die Menschen divergent geschaffen, als Mann und als Frau, beide nach dem Ebenbild Gottes. Eine Andersartigkeit begründet dagegen noch keinen Anspruch einer Bewertung. Im Umkehrschluss ist Gleichartigkeit zu unterscheiden von Gleichwertigkeit. Doch hier sind noch keine Aussagen zum Dienst der ungleichartigen Geschlechter getroffen.

In 1. Tim 2, 12-14 werden klare Formulierungen gegen die Lehre durch Frauen und zu einem Gefälle im Verhältnis der Geschlechter getroffen. Der Verfasser begründet diese Aussagen mit der Schöpfungsgeschichte und dem Sündenfall. Eva wurde in der Reihenfolge nach Adam geschaffen. Sie wurde durch die Schlange zur Sünde verführt und verleitete ihren Mann es ihr gleich zu tun. Aus diesen Gründen soll es einer Frau nicht gestattet sein zu lehren oder über ihren Mann zu herrschen. Dabei bezieht sich der Verfasser nur auf einzelne Aspekte dieser Narration, um damit seine Argumentation zu stützen. Mutmaßlich formuliert er hier einen allgemeingültigen Anspruch, ist jedoch unwillkürlich durch den kulturellen Kontext seiner eigenen Lebenswelt geprägt und richtet sich an Leser in einer Situation, die durch von Frauen verbreiteten Irrlehren bestimmt ist.[1] Zwischen immerwährenden theologischen Grundgedanken und der kulturellen Hülle sollte unterschieden werden.[2] Lässt sich diese Hülle an aktuelle kulturelle Begebenheiten kontextualisieren, so kann eine inhaltliche Übertragung des Grundgedankens aus meiner Sicht durchaus gelingen.

Unabhängig von der Frage der Verfasserschaft der Timotheus- und Korintherbriefe, wird auch in 1. Kor 14, 34 der Frau geboten im Gottesdienst zu schweigen. Im Widerspruch dazu besagt 1. Kor 11, 5, dass es Frauen durchaus erlaubt ist, im Kontext einer Gemeindeversammlung zu beten und zu weissagen. Bei näherer Betrachtung von 1. Kor 14, 33 scheint es sich eher um ein Instrument zu handeln, das eine Ordnung im Gottesdienst schafft.[3]

Wenn auch in 1. Kor 14, 5 alle Mitglieder der Gemeinde, ohne Ausnahme von Frauen, zur Weissagung aufgefordert werden, kann es sich also nicht um ein universal gültiges Gesetz handeln, das Frauen zum Verstummen bringen soll. Für mich kann demnach weder 1. Tim 2, noch 1. Kor 14 als Nachweis gegen eine Gleichstellung herangezogen werden.

Vielmehr bestätigt der gesamtbiblische Kontext, dass einzelne Frauen nicht nur in die Wirkungsgeschichte Gottes einbezogen sind, sondern auch zentrale Rollen zuteilwerden. An dieser Stelle oft zitierte Charaktere, wie Miriam, die Schwester Moses, oder Deborah, die Richterin, sind dabei für mich weniger von Bedeutung, als die Samaritanerin am Jakobsbrunnen (vgl. Joh 4), der Jesus sich als erstes gegenüber als der Messias offenbarte und die seine Botschaft in ihrem Dorf verkündete. Die Tatsache, dass in dem Text ihr Name nicht erwähnt wird, ist aus meiner Sicht nicht der theologischen Bedeutsamkeit ihrer Person, sondern eher der kulturellen Umstände zur Zeit der Entstehung des Textes geschuldet. Wenn andererseits Evas Sündenfall zum Beleg charakterlicher Eigenschaften von Frauen im Allgemeinen herangezogen wird (wie oben beschrieben ihre in 1. Tim 2 erwähnte Verführbarkeit), sollte doch genauso das Verhalten der Nachfolgerinnen Jesu bei dessen Kreuzigung ins Gewicht fallen. Sie waren es, die ihm treu zur Seite standen, während seine männlichen Nachfolger ihn verließen und sogar verleugneten. Wiederum ist dies für mich ein Beleg der Andersartigkeit der Geschlechter, ohne Aussage zur Wertigkeit.     

Was die Berufung zum Dienst angeht, stand für Luther fest, dass Jesus Christus alleine Hohepriester sein kann (vgl. Heb 4,14). Durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und das damit verbundene Heilswirken sind die Gesetzmäßigkeiten der Stiftshütte (vgl. Ex und Lev) aufgehoben (das löst auch die oben beschriebene ausschließliche Berufung der Nachkommen Aarons auf) und der Zugang zum Heiligtum für alle möglich (vgl. Heb 10 und 11), wodurch sich eine Argumentation für das Priestertum aller Gläubigen untermauern lässt. 1 Petr 2, 9 und Offb 5, 9-10 stützen diese Sichtweise: „und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.“

Stelle ich also im Laufe dieser Ausführungen fest, dass Wert und Wesen eines Geschlechtes nicht identische Begriffe sind, scheint die Frage von zentraler Bedeutung zu sein ob im Wesensunterschied, eine Begründung gegen den Dienst von Frauen in der Kirche impliziert ist. Dass die Wertigkeit von Mann und Frau mit der Bibel als konform angesehen werden kann, steht für mich dagegen außer Frage.

Auch wenn Jesus ausschließlich 12 Männer zum Dienst beruft (Mk 3,13-19), wurde er nicht nur von Frauen begleitet, sondern hat ihnen im Rahmen seiner kulturellen Umgebung überdies einen auffallend außergewöhnlichen Stellenwert verschafft. Die Kontextualisierung von 1. Tim 2, 12-14 und 1. Kor 14, 34 lässt mich zu der Schlussfolgerung gelangen, dass der Ausschluss von Frauen am Dienst der Verkündigung in der Gemeinde nicht nur nicht mehr zeitgemäß ist, sondern sich auch nicht mit der Bibel rechtfertigen lässt.


[1] vgl. Haslebacher, Christian: Yes, she can! Die Rolle der Frau in der Gemeinde. Ein bibelfestes Plädoyer, Basel 2016, 198.

[2] vgl. Baum, Armin D.: Die Bibel und ihre schwierigen Stellen. Warum Frauen im Neuen Testament zu schweigen hatten – und ob sie es heute immer noch müssen, in: EiNS. Das Magazin der Evangelischen Allianz 3/2017, 19-21

[3] vgl. Haslebacher, 97-106.

Theodizee: Die Frage nach Gerechtigkeit…



Wo bleibt die Gerechtigkeit, angesichts des anhaltenden Pandemiegeschehens und damit einhergehender Belastung, die offensichtlich mal wieder die ohnehin schon Benachteiligten am Stärksten trifft?
Frauen sind die „Heldinnen des Alltags“. Sie bewältigen nicht nur ihre Jobs, die Kindererziehung und Homeschooling, sondern sind dabei auch noch bemüht eine harmonische Atmosphäre aufrecht zu erhalten.
Und schon wieder das typisch klischeehafte Rollenbild, in das sich Frauen hineinzuzwängen haben… und sobald „Frau“ darüber redet, wird ihr direkt der Stempel „Feministin“ aufgedrückt, der nach wie vor (und auch in meinen Ohren, das muss ich zugeben) negativ konnotiert ist. Gestern am Weltfrauentag scheint diese Ungerechtigkeit noch lauter zu schreien, als sonst ohnehin schon.


Warum überhaupt diese Pandemie? Was denkt sich Gott dabei Krankheiten „zuzulassen“, die sogar tödlich enden können. Oder hat Gott am Ende sogar selbst diese Krankheiten erschaffen?
Sind wir doch mal ehrlich… wenn Gott das Universum geschaffen hat, allmächtig ist und angeblich gütig, ja sogar die Liebe in Person sein soll… wie kann es dann so etwas überhaupt geben?

Das sind wirklich gute Fragen… Fragen, die wahrscheinlich so alt sind, wie die Menschheit selbst. Schon immer haben sich kluge Menschen diese Fragen gestellt. Viel klügere Menschen, als ich es bin.
Haben Sie zufrieden stellende Antworten gefunden? Maße ich mir an eine Antwort zu haben? Natürlich kann ich das nicht behaupten. Solche Antworten sind doch ziemlich subjektiv.
Zu sagen, dass es diesen gütigen Gott nicht geben kann, weil es für mich keinen Sinn macht wie unsere Welt aussieht, scheint mir aber dann aber doch zu einfach zu sein.
Denken wir doch nur an einen perfekten Menschen. Ich weiß, ein utopischer Gedanke. Ein Mensch, der alles kann, alles weiß und makellos aussieht. Ein attraktiver Gedanke? Eher nicht!
Die Einzigartigkeiten und kleinen Fehler, die einen Mensch ausmachen, sind doch gerade das, was die Anziehungskraft ausmacht, was uns fasziniert und Bewunderung hervorruft.
Könnte es sich nicht genauso mit der Schöpfung verhalten? Eine perfekte Schöpfung, makellos… wäre sie so wunderschön und atemberaubend wie unsere Welt es ist?


Der Sternenhimmel bei Nacht, Artenvielfalt im Tierreich, bis hin zu winzigen Details, wie das Erblühen einer Magnolienknospe. Nicht zuletzt zwischenmenschliche Begegnungen. Berührungen, Emotionen, Nähe und Zusammenhalt.
Wüssten wir das alles zu schätzen, wenn es die Schattenseiten nicht gäbe? Wo Licht ist, gibt es Schatten, das scheint unvermeidbar. Aber wo es Schatten gibt, da ist eben auch das Licht nicht weit.
Und das Licht scheint in unserer Welt! Umso heller sogar, angesichts der Schatten um uns her! Ich will meine Augen nicht länger dem trüben Dunkel widmen.

Wo bist du Licht? Ich will dich sehen!

„Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst“ – Johannes 1,5

Auf das Verzichten verzichten?

Am Aschermittwoch, zu Beginn der Fastenzeit, bewegen mich die Worte von Dietrich Bonhoeffer: „Wie will einer im Glauben leben, (…), dem Schlafen, Essen und Geschlechtslust immer wieder die Freude an Gott rauben?  

Er stellt die Frage, ob es nicht herzlos wäre, den Menschen zu raten, sich nur am Glauben festzuhalten, ohne darauf hinzuweisen, dass Verzicht dabei eine wichtige Übung ist. Ein wirksames Instrument um Platz zu schaffen.

Verzicht schafft Raum.

Raum für mich selbst. Raum zum Denken, Empfinden, Beten und Hören.

Aber verzichten wir nicht gerade jetzt bereits auf so Vieles? Tut es mir gut, noch auf etwas Weiteres zu verzichten, nur, weil gerade Fastenzeit ist?

Aus meiner Sicht ist ein fremd diktierter Verzicht eine aufgezwungene Einschränkung.

Meine eigene Entscheidung zum Verzicht jedoch, macht mich frei. Frei von Süchten, frei von Verlangen, frei von Gewohnheiten.

Ich habe mir vorgenommen diese Fastenzeit als Vorbereitung für das Osterfest zu nutzen. Mich vorzubereiten auf die hoffnungsvollste Begebenheit, die jemals in der Geschichte der Welt passiert ist. Die Auferstehung von Jesus Christus. 

Die Geräusche der Welt etwas leiser drehen, um mich zu öffnen und frei zu werden für neue Gedanken, für neue Hoffnungen, für Freude.

Normalerweise scrolle ich direkt vor dem Schlafengehen nochmal durch die sozialen Medien, um auf dem Neusten Stand zu sein. Dabei stürmen sämtliche Nachrichten aus meinem persönlichen Umfeld und aus dem allgemeinen Geschehen der Welt auf mich ein. Das letzte was ich am Abend sehe ist der Bildschirm meines Smartphones. Und das erste was ich am Morgen sehe ist der Wecker auf ebendiesem Bildschirm meines Smartphones.

In dieser Fastenzeit habe ich mein Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannt.

Mich weckt jetzt ein Radiowecker, häufig mit einer fröhlichen Stimme oder einem Lied.

Am Abend greife ich statt zum Smartphone häufig zu einem Buch, das neben meinem Bett bereitliegt. Darauf steht in großen Lettern B-I-B-E-L.

Darin lese ich nicht von aktuellen Geschehnissen und was heute wieder Schreckliches passiert ist in der Welt. Ich lese von der Hoffnung für die Welt. Ich lese von einer Hoffnung, die für mich auch heute so aktuell ist wie für die Menschen vor 2000 Jahren.  

Ist die biblische Perspektive auf Ehe heute noch aktuell?

Die heutige, westliche Gesellschaft kennt unterschiedlichste Partnerschaftskonzepte. Patchworkfamilien, homosexuelle Paare mit oder ohne Kinder, Alleinerziehende oder Lebensgemeinschaften anderer Arten sind längst keine Seltenheit mehr. Dies mag auch daraus resultieren, dass sich der Fokus in einer Partnerschaft von einer gesellschaftlichen bzw. kulturellen Ordnung und wirtschaftlichen Versorgung heraus hin zu einer Perspektive auf die emotionale Bindung zwischen den Partnern, die gegenseitige Liebe, verändert hat. Ist daher heutzutage ein biblisch fundiertes, christliches Ehekonzept nicht längst überholt und sollte vielmehr der gesellschaftlichen Realität angepasst werden?

Sowohl im alttestamentarischen, als auch neutestamentarischen Verständnis soll die Ehe einen Rahmen der Ordnung, der Sicherheit und der Versorgung bieten. Selten ist von Zuneigung oder Liebe die Rede, bis auf wenige Ausnahmen wie bei Isaak und Rebekka oder Elkana und Hanna, die Eltern des Propheten Samuel. Im Neuen Testament hingegen lassen sich generell kaum narrative Texte ausmachen, die überhaupt von Ehe erzählen. Ist es daher überhaupt angemessen sich an biblischen Texten zu orientieren, wenn man Empfehlungen für eine gelungene Ehe sucht?

Im Hinblick auf die Wandlung von Partnerschaftsformen, mag die Betrachtung steigender Ehescheidungsraten nicht ausreichen, um ein vollständiges Bild von gelungenen oder eben misslungenen Partnerschaften zu erhalten. Insgesamt empfinde ich jedoch den Trend weg von dauerhaften Verpflichtungen von Partnern zu kurzlebigeren so-lange-es-mir-Spaß-macht-Verbindungen augenfällig. Was also zeichnet eine gelungene Partnerschaft aus? Das wird auch davon abhängen, ob Erfüllung in Stabilität oder in Abwechslung gesucht wird. Meine eigene Präferenz liegt definitiv darin, einen Partner zu wählen, dem ich mich kompromisslos anvertrauen kann und mit dem man einen geschützten Rahmen aufbauen kann, in dem ich mich frei entfalten darf. Diese ambitionierten Ziele sind sicherlich leichter umsetzbar, wenn man nicht unter Zeitdruck steht. Ich würde sogar unterstellen, dass der Blick auf eine dauerhafte, gar lebenslange Verbindung einen solchen Rahmen erst erschaffen kann. Dann nämlich, wenn ich nicht in der ständigen Sorge leben muss, dass die Verbindung wieder aufgelöst werden könnte.

Will man eine dauerhafte Liebesbeziehung mit lebenslang anhaltenden Emotionen führen, so scheint dieses Ziel fast unerreichbar und endet häufig in Überforderung und Frustration. Aus meiner Sicht lässt sich das Ziel einer dauerhaften Verbindung von Partnern, wesentlich leichter erreichen, wenn nicht ich selbst oder mein Partner im Fokus stehen, sondern Gott der Mittelpunkt meines Lebens und meines Herzens ist und ich in dieser Beziehung in erster Linie Erfüllung finde. Aus dieser Sichtweise heraus entfallen meine eigenen Anforderungen den Partner aus eigener Kraft heraus „glücklich“ machen zu müssen, genau wie der Anspruch an mein Gegenüber genommen wird.  

Bereits an erster Stelle des Dekalogs findet sich das Gebot: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (Ex 20,3) und im Neuen Testament betont Jesus in der prominenten Bergpredigt: „Trachtet vielmehr zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch das alles dazugegeben werden.“ (Mt 6,33), was ich als Aufforderung verstehe, Gott an erste Stelle zu setzen, eben auch über meinen Partner.

Für mich persönlich ist damit keine Einschränkung auf heterosexuelle Eheformen verbunden. Schlussendlich bleibt das eine Frage der persönlichen Hermeneutik. Welche Form von Partnerschaft gelebt wird ist für das Gelingen aus meiner Sicht sekundär. Wichtig ist allein die Perspektive und den Fokus auf Gott zu behalten und bei ihm Erfüllung zu finden.

Single werden ist nicht schwer, Single sein dagegen sehr…

Jesaja 55,8-9: Er sagt: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn wie der Himmel die Erde überragt, so sind auch meine Wege viel höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken…“

Vielleicht kennst du das auch? Du bist bei einer Geburtstagsparty im Kreis deiner Familie. Die Tante Soundso hast du schon eine ganze Weile nicht gesehen. Sie kommt schnurgerade auf dich zu und fragt ganz direkt und unverblümt: „Na Melanie, was macht die Liebe? Bist du denn immer noch Single?“ Oder du hast Post im Briefkasten gefunden. Wunderbar, die Einladung zu nächsten Hochzeit! Das gefürchtete Kästchen namens „Plus 1“ kannst du jedoch wieder nicht ankreuzen. Arrgh! Das ist doch zum Mäusemelken…
Ich kann ehrlich sagen, dass ich die meiste Zeit über sehr gerne Single bin. Diese Zeit, in der ich mich nur um mich selbst zu kümmern brauche, bringt sehr viele Freiheiten mit sich. Ich bin Niemandem Rechenschaft schuldig und wenn ich einen Abend auf der Couch verbringen möchte und dabei eine ganze Tüte Chips alleine esse… wen stört es? Außerdem kann ich mich jederzeit spontan mit Freunden verabreden. Ich muss mich mit Niemandem abstimmen, was meine Termine angeht. Und doch… es gibt diese Momente, da fühlt es sich nicht ganz so prickelnd an. Das Warten. Ich kenne Niemanden, der gerne wartet. Ob das jetzt das Warten auf eine Partnerschaft ist, das Warten auf einen neuen Job, auf die lang ersehnte Heilung von einer Krankheit, auf eine neue Wohnung oder auf das Wunschkind… Fakt ist: Jeder hat etwas, worauf er wartet. Wir sind damit nicht allein. Doch während wir warten, warten auch einige Herausforderungen auf uns. Beispielsweise Gedankenkonstrukte – Lügen – die wir beginnen zu glauben und die sich in unserem Denken manifestieren und die uns eventuell gar nicht mehr loslassen wollen. Dabei geht uns oft die Freude verloren, die wir doch gerade im Warten so nötig haben.

 
Aus diesem Grund habe ich hier 5 typische „Lügen“ zusammengestellt, die ich während meiner Wartezeit lange geglaubt habe und die mir meine Freude regelrecht geraubt haben. Gegenüber stelle ich 5 Prinzipien für mehr „Freude“ im Warten, die mir persönlich geholfen haben Lachen, Genuss und echte Heiterkeit in meinem Leben zurückzuerobern.

#Lüge1: „Gott lässt mich warten, weil er mich bestrafen will.“


Manchmal wird behauptet, dass „Sünde“ für unser Warten verantwortlich ist. Sünde ist nur ein anderes Wort für Verfehlung, wie die Verfehlung eines Ziels. Mir ist es schon passiert, dass Jemand versucht hat, mir mit diesem Begriff Angst zu machen und behauptet hat, meine Sünde wäre der Grund weshalb das, was ich mir wünsche, nicht passiert. In meinem Fall handelte es sich um einen unerfüllten Kinderwunsch. Ich lebte mit einem Mann zusammen, mit dem ich nicht verheiratet war. Heute weiß ich, dass ich nur in einem geschützten Rahmen und von Gott gesegneten Ehe ein Kind bekommen wollen würde und bin dankbar, dass es nicht geklappt hat. Jedoch bin ich überzeugt, dass mein Verhalten nicht der Grund war, weshalb ich nicht schwanger wurde. Ein gutes Gegenbeispiel finden wir in Lukas 1,6-7: „Beide aber waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn. Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war; und beide waren in ihren Tagen weit vorgerückt.“ Elisabeth hielt sich an Gottes Gebote und war trotzdem unfruchtbar.

Gottes Gnade ist unendlich groß, größer als unsere Taten oder unser Verhalten. Sie besteht für immer und wird nie enden. Hebräer 4,16: „Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!“

Seine Gnade ist unabhängig von unserem Verhalten und seine Liebe ist bedingungslos. Psalm 103,8-13: „Barmherzig und gnädig ist der HERR, langsam zum Zorn und groß an Gnade. Er wird nicht immer rechten, nicht ewig zürnen. Er hat uns nicht getan nach unseren Vergehen, nach unseren Sünden uns nicht vergolten. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so übermächtig ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten. So fern der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Vergehen. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.“

 Warten ist also keine Strafe von Gott, sondern Warten gehört zum Leben dazu.


#Freude1: „Leben in der Gegenwart“

 
Der Begriff Gegenwart ist hier im doppelten Sinn gemeint: Einerseits die Zeitform, weder nach der Vergangenheit noch nach der Zukunft orientiert zu leben, sondern in der Gegenwart und andererseits in der Gegenwart Gottes. In Gottes Gegenwart zu sein, erfüllt mich mit Freude, Hoffnung und Zuversicht. Psalm 118,24: „Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat! Seien wir fröhlich und freuen wir uns in ihm!“

Oft ist es unvorstellbar glücklich zu sein, bis wir das haben, was wir uns von Herzen wünschen. Wir verinnerlichen Sätze wie: „Ich werde erst wieder glücklich sein, wenn…“ oder „bis dahin, kann ich mich nicht freuen…“ Diese selbst auferlegten Regeln gilt es los zu werden. Nicht auf die Zukunft konzentriert zu leben, sondern im Hier und Jetzt. Matthäus 6,34: „So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.“



#Lüge2: „Gott möchte nicht, dass ich glücklich bin.“

 
Matthäus 7,9-11: „Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird? Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!“

In manchen Momenten tragen Dinge wie Leid oder Selbstaufgabe dazu bei, dass wir heiliger und reiner werden. Wenn wir Wünsche oder Dinge, auf die wir fixiert sind, loslassen, dann befreit uns das und öffnet unsere Hände für neue Dinge. In meinem Fall hat die Aufgabe einer ungesunden Beziehung (obwohl ich mir so sehr wünschte, dass es funktionieren würde) zu wahrem Segen und wahrer Freiheit geführt.

Oft wachsen wir am Meisten mitten im Schmerz. Ähnlich wie beim Training von Muskeln im Fitnessstudio bemerken wir das Wachstum erst dann, wenn wir das Gewicht erhöhen. Während des Trainings spüren wir Schmerz und es fühlt sich nicht unbedingt gut an. Genau in diesem Moment des Schmerzes wachsen unsere Muskeln und wir lernen mit größeren Herausforderungen umzugehen.

Gott ist besorgt um uns, wie Eltern um ihre Kinder. Er möchte, dass wir wachsen und vorankommen. Das heißt nicht, dass Gott möchte, dass wir unglücklich sind!

Jesaja 30,18-19: „Und darum wird der HERR darauf warten, euch gnädig zu sein, und darum wird er sich erheben, sich über euch zu erbarmen. Denn ein Gott des Rechts ist der HERR. Glücklich alle, die auf ihn harren! Ja, du Volk aus Zion, das in Jerusalem wohnt, du wirst nicht mehr weinen! Er wird dir gewiss Gnade erweisen auf die Stimme deines Hilfegeschreis. Sobald er hört, wird er dir antworten.“

Jeremia 29,11: „Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.“


#Freude2: „Tägliche Geschenke“


Johannes 10,10: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben.“

Wie wäre es, wenn wir unser Herz neu öffnen, für Geschenke, die Gott täglich für uns bereit hält? Manchmal sieht so ein Geschenk ganz anders aus, als wir uns vorstellen. Es ist nicht nur eine Frage der Perspektive, in gewissen Fällen wünschen wir uns auch die falschen Dinge. Dinge, die uns nicht gut tun würden und schon gar nicht glücklich machen. Wichtig dabei ist auch, offen zu bleiben und die kleinen Dinge nicht zu übersehen.

Johannes 15,1-11: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen. Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet. Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde.“

 
Vielleicht hast du aufgehört nach Geschenken von Gott zu fragen… wie könnten solche Geschenke aussehen? Was erhoffst oder erwartest du von Gott? Vielleicht versuchst du einfach heute neu darum zu bitten…

Matthäus 7,7-11: „Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden! Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird geöffnet werden. Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird? Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!“

#Lüge3: „Gott lässt mich warten, weil er nicht möchte, dass ich bekomme was ich mir wünsche.“

Das Warten wird oft als Zeichen für ein Nein interpretiert. Aber bis ein Nein kommt, bis die Tür sich wirklich schließt, ist es eben kein Nein.

Im Warten haben wir die Freiheit nach Gott zu suchen und ihn zu fragen was sein Wille ist. Es kommt auch vor, dass wir im Warten feststellen, dass sich unsere Wünsche ändern und wir das, worauf wir gewartet haben, eigentlich gar nicht wollen. Oder wir selbst verändern uns während des Prozesses des Wartens.

Oft sehnen wir uns einfach danach Gottes Stimme zu hören und schnell eine Antwort zu bekommen, aber es geht darum Zeit mit Gott zu verbringen, in Beziehung mit ihm zu leben. Und ihm zu vertrauen, darauf zu vertrauen, dass er nie zu spät kommt und ihm auch die Zeit anzuvertrauen, das Warten anzuvertrauen. Das ist ein Zeichen von Demut und von vertrauter und vertrauensvoller Beziehung.

Psalm 27,14: „Harre auf den HERRN! Sei mutig, und dein Herz sei stark, und harre auf den HERRN!“

Gott lässt mich also nicht warten, weil er nicht möchte, dass ich bekomme was ich mir wünsche, sondern vielleicht lässt er das Warten zu, weil er sich nach mir sehnt.

Philipper 4,4-6: „Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch! Eure Milde soll allen Menschen bekannt werden; der Herr ist nahe. Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.

#Freude3: „Perspektive der Ewigkeit“

Dinge dieser Welt sind vergänglich. Wir Christen haben das Vorrecht und die Segnung, uns auf die Ewigkeit freuen zu können.

Unser Leben hier auf der Erde ist begrenzt. In Ewigkeit werden wir die perfekte Liebesbeziehung mit Gott haben, von Angesicht zu Angesicht! Alle Beziehungen hier sind nur ein schwacher Vorgeschmack darauf.

 1. Korinther 13,12: „Denn wir sehen jetzt durch einen Spiegel, dunkel, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich ganz erkennen.“

Jesus spricht davon, dass im Himmel Beziehungen anders sein werden. (vgl. Lukas 20,27ff.) Während wir hier leben, können wir anhand von Beziehungen lernen, aber wir sollten uns auf die perfekte Beziehung zu Gott in der Ewigkeit freuen! (vgl. Jesaja 54: Gott ist mein Ehemann)

Epheser 5,21-33: „Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, die Frauen den eigenen Männern als dem Herrn! Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist, er als der Retter des Leibes. Wie aber die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei. So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, wie auch der Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Leibes. „Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.“ Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde. Jedenfalls auch ihr – jeder von euch liebe seine Frau so wie sich selbst; die Frau aber, dass sie Ehrfurcht vor dem Mann habe!“

Ich als Frau finde diese Stelle schon herausfordernd, will aber meine Zeit als Single nutzen um zu lernen was es bedeutet eine Beziehung so zu führen, wie Jesus es vorlebt. Eine Beziehung, die sich an der Liebe Gottes zu seinen Menschen orientiert, als das perfekte Vorbild.


#Lüge4: „Wenn ich nicht perfekt warte, wird Gott mir nicht geben, was ich mir wünsche.“

Wenn ich nicht genug Glauben habe, nicht genug Bete, wenn ich sündige usw. dann lässt Gott mich warten. Die Geschichte von der Heilung einer blutflüssigen Frau in Matthäus 9,22 (Jesus aber wandte sich um, und als er sie sah, sprach er: Sei guten Mutes, Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt. Und die Frau war geheilt von jener Stunde an.) wird von Manchen so interpretiert, dass es den „richtigen“ Glauben bräuchte, um geheilt zu werden.

Wir verstehen oft nicht warum Gott heilt oder warum er nicht heilt. Aus der Schrift sehe ich kein „Schema F der Heilung“, sondern unterschiedlichste Wege, wie Gott wirkt. Jedenfalls kann der Umkehrschluss „kein Glaube, keine Heilung“ nicht richtig sein. Gott ist nicht limitiert in seinem Wirken durch unsere Einstellung oder unsere Entscheidungen. Diese Auslegung ist ein Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn wir Verse aus dem Kontext reißen. Im selben Kapitel heilt Jesus durch Sündenvergebung und durch Dämonenaustreibung. Ich empfehle wärmstens immer ganze Kapitel und nach Möglichkeit auch das Kapitel davor und danach zu lesen. (Auf http://www.dasbibelprojekt.de gibt es tolle Videos, die ganze Bücher der Bibel sehr gut und verständlich zusammen fassen. Dort kann man sich den Kontext leicht und schnell erschließen.)

Ich habe lange geglaubt Gott bestraft mich für meine Sünden. In Wahrheit hat Jesus bereits die Strafe getragen. Gott ist gerecht. Er sieht meine Sünde nicht mehr. Beichte und Buße (ein anderes Wort für Umkehr) ist jedoch ein wichtiges Thema, das oft vernachlässigt wird.

Manchmal wird unser Herz auch auf die Probe gestellt. Warten formt und verändert uns, aber Gott erwartet keine Perfektion von uns. Er versteht unseren Schmerz. Er hat uns erschaffen mit Emotionen und will uns so haben, wie wir sind.

#Freude4: „Freude und Leid in Einem“

Liedtext aus „Mein ganzes Leben“: Ich will dich kennen Herr und deine Herrlichkeit

Die Freude, die du teilst, sogar in deinem Leid…

Auch wenn unser Leben manchmal ein großes Fragezeichen ist… Freude und Leid können gleichzeitig existieren!

Sprüche 14,13: „Sogar beim Lachen kann das Herz Kummer haben, und zuletzt wird aus Freude Traurigkeit.“

Für mich persönlich ist es gleichzeitig eine so tiefe Freude, dass Gott mir zuspricht mein Ehemann zu sein (vgl. Jesaja 54,5 – eigentlich ist damit das Volk Israel gemeint, sein Volk, also auch ich) und im selben Moment empfinde ich eine gewisse Traurigkeit darüber, dass Gott eventuell mein einziger Mann bleiben wird und ich vielleicht nie heiraten werde. Dann erinnere ich mich daran, was Gott in meinem Leben alles getan hat, und wie viel besser es ist mit ihm zu leben, als alles was ich mir je vorgestellt habe. Dass er meine tiefste Freude und meine tiefste Erfüllung ist und immer sein wird.

Erinnerst du dich, dass ich von meinem unerfüllten Kinderwunsch berichtet habe, der wirklich sehr schmerzhaft für mich war? Vor Kurzem durfte ich an der Babyparty einer Freundin teilnehmen. Auf dem Weg nach Hause fragte mich eine andere Freundin, wie ich den Tag erlebt hätte und ob es schwer für mich gewesen sei, das Glück meiner Freundin zu beobachten. In diesem Moment traf mich die Erkenntnis: Ich hatte nicht mal darüber nachgedacht. Früher wäre das undenkbar gewesen. Ich hatte jahrelang Partys wie diese gemieden, um mich nicht Situationen aussetzen zu müssen, in denen ich traurig bin, sogar Neid empfinde und mich noch schlechter fühlte aus Scham vor dieser Eifersucht. Heute empfinde ich tiefe Dankbarkeit und Freude darüber, frei von diesem Wunsch (fast zwanghaftem Warten) zu sein und mich für andere von ganzem Herzen freuen zu können.

Es ist nicht sündhaft traurig zu sein. Es ist ok. Es gibt hier kein Schwarz und Weiß. Wenn die Trauer zu groß wird, ist es auch vollkommen ok professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen! Eine Kombination mit Gebet kann sehr kraftvoll sein. Bitte bleibe nicht alleine mit deinem Schmerz.

#Lüge5: „Alles zu seiner Zeit…“

Das, was man so oft hört, könnte vielleicht gar nicht stimmen: „Wenn die Zeit reif ist, wird es passieren“ (vgl. Prediger 3) Ich weiß, dass dieser Satz ein großer Trost sein kann, aber wenn man genauer hin schaut, kann es sogar noch tröstlichere Gedanken dahinter versteckt geben…

Deine Entscheidungen, deine Meinung, deine Sehnsüchte machen einen Unterschied.

Dein Gebet hat Kraft!

Ist alles vorherbestimmt? Apostelgeschichte 17,26-27: „Und er hat aus einem jede Nation der Menschen gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, wobei er festgesetzte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnung bestimmt hat, dass sie Gott suchen, ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden möchten, obwohl er ja nicht fern ist von jedem von uns.“ und Psalm 139,16: „Meine Urform sahen deine Augen. Und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die gebildet wurden, als noch keiner von ihnen da war.“ können so interpretiert werden, dass Gott unsere Wege bereits vorherbestimmt hat. Gott hat uns jedoch nach seinem Ebenbild erschaffen und wir dürfen frei entscheiden, auch den falschen Weg gehen. Römer 8,28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind.“

Gott ist allmächtig und flexibel genug um uns trotz unserer eigenen Entscheidungen zu führen und zu leiten. Manchmal führt das vielleicht zu Umwegen, aber Gott bleibt souverän und seine Ziele mit uns werden sich erfüllen.

Ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Gottes Wirken und menschlicher Intervention ist das erste Wunder, das Jesus wirkte, nämlich Wasser zu Wein zu verwandeln. Maria bittet ihn es zu tun und Jesus reagiert darauf.

#Freude5: „Dankbarkeit“

Dankbarkeit und die Konzentration auf positiven Dinge führen unweigerlich zu Freude. Philipper 4,8: „Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt!“

Mach dir jeden Morgen bewusst, worauf du dich an diesem Tag freust und wofür du dankbar bist. Mach dir jeden Abend bewusst, was an diesem Tag positiv war und wo du Gottes Wirken gesehen hast. Oft können wir das Gute nicht sehen, obwohl es direkt vor uns ist. Wir verpassen Gelegenheiten das Gute bewusst wahrzunehmen.

Ich vergleiche das Leben gerne mit einer Bergwanderung. Ich liebe es zu wandern. Es gibt diese Gipfelmomente wie Hochzeiten, Beförderungen, Momente in denen Alles perfekt zu sein scheint. Aber das Leben findet meistens zwischen den Gipfeln statt, auf langen Talwanderungen, Aufstiegen und Abstiegen zwischen den Gipfeln. Das Leben ist der Weg und die Gipfel sind nur kurze Ausschnitte davon. Daher gilt es, die Aussicht zu genießen! Mit Freunden zu lachen, Hindernisse zu überwinden, am Lagerfeuer zu sitzen und in Stürmen der Macht Gottes zu vertrauen.

Von Schwierigkeiten, den Aufstiegen, erzählen wir unser Leben lang und profitieren von dem, was wir dabei gelernt haben. Es ist wichtig Freude zu erleben auf allen Wegen, egal wie sie aussehen. Dabei können einfache Entscheidungen helfen. Hoffnung zu bewahren, dass meine Wünsche sich erfüllen. Freude zu empfinden über das, was ich habe, in der Gegenwart. Zu beten für Segen und Dankbarkeit zu empfinden, für bereits empfangenen Segen. Und sich immer an kleine und große Geschenke zu erinnern! Dabei können Dankbarkeitstagebücher, Gebetstagebücher, oder Listen von Versen helfen, die mich ermutigen. Einer meiner liebsten Verse ist: Matthäus 6,33: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“


Fragen zur Reflektion:

Gibt es eine Lüge, die du bisher geglaubt hast?

Welches Prinzip für mehr Freude möchtest du in Zukunft in dein Leben integrieren?

Wie geht es dir persönlich als Single, welche Herausforderungen hast du und mit wem kannst du darüber sprechen?

Fallzahlrekorde und abgesagte Weihnachtsmärkte

Pläne für die Feiertage? Mittlerweile denke ich mir: Besser keine Pläne machen, dann werde ich sie nicht wieder über den Haufen werfen müssen. Das böse Wort mit C… will keiner mehr hören und jetzt steht auch noch Weihnachten auf der Kippe! Weihnachten! Meine absolute Lieblingszeit im Jahr. Kerzenschein, Glühwein, meine Liebsten um mich herum. Die kalte Jahreszeit nutzen, um näher zusammen zu rücken und sich auf das Wesentlich zu besinnen. Doch jetzt ist Abstand halten angesagt und Weihnachtsmärkte werden abgesagt. Doch was wäre, wenn das Wesentliche an Weihnachten nichts mit Plätzchen und Glühwein zu tun hätte? Wenn es nicht mal darauf ankäme, geliebten Menschen nahe zu sein?

Matthäus 1,23: „Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel[9] nennen“, was übersetzt ist: Gott mit uns.

Der Messias kommt auf die Welt! Er will uns ganz nah sein. Dagegen ist jede Pandemie machtlos.

Social Distancing betrifft uns alle. Auf unterschiedliche Arten und Weisen. Manche sind vielleicht dankbar für die Entschleunigung, andere fühlen sich einsam und trauern über verlorene Momente oder Möglichkeiten. Auch ich mache mir Sorgen darüber, ob ich meine Familie werde sehen können an Weihnachten. Doch dann frage ich mich wie es wäre, wenn ich diese spezielle Zeit vor Weihnachten, in der alles anders ist als sonst, nutzen würde um Gott näher zu kommen? Gottes Nähe auf eine neue Art erleben, ohne Ablenkungen. Gott wurde Mensch und kam in die Welt. Er ist hier und er sucht meine Nähe. Warum nicht darauf antworten und die Zeit nutzen um Gottesdienste zu besuchen, die nicht abgesagt sind? Oder in stillen Momenten das Gespräch mit Gott suchen und beten? Meine Erfahrung sagt mir, dass ich einen unerklärbaren, übernatürlichen und tiefen Frieden erlebe, immer wenn ich Zeit in Gottes Gegenwart verbringe.

Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben

Das Leben ist manchmal wie eine Reise, nicht wahr? Ich nehme euch gerne mit, auf einem Stück meines Weges…
Anfang letzten Jahres sind meine lange gehegten Herzenswünsche und Pläne einfach geplatzt, wie eine Seifenblase. Lange hatte ich mit meinem damaligen Freund daran gearbeitet ein Kind zu bekommen. Alles war vorbereitet, das Nest fertig gebaut. Nach einiger Zeit des Bangens, des
Wartens und vielen, vielen Kämpfen, hat mein damaliger Freund mich verlassen und ich musste mein Umfeld aufgeben. Es hat sich angefühlt, als würde der Boden unter meinen Füßen weg brechen.
Nach einigen Monaten weiterer Kämpfe, musste ich mir eingestehen, dass ich es alleine nicht heraus schaffe aus diesem Strudel, der mich immer tiefer nach unten ziehen wollte. Tief im Morast steckte ich fest und alles Strampeln verschlimmerte meine Situation nur und ich sackte immer tiefer ein.
Irgendwann, endlich, nach so vielen Jahren des Kämpfens, kapitulierte ich und streckte meine
Waffen. Ich habe zugelassen, dass Gott sich um mich kümmern darf. Verstand ganz zaghaft, dass ich vielleicht doch nicht alles alleine machen muss. Zu diesem Zeitpunkt (ca. ein Jahr nach der Trennung, Anfang 2019) war ich bereits 20 Jahre lang Christin. Nach so langer Zeit stellte ich fest, dass ich auch nach 20 Jahren regelmäßiger Gottesdienst‐ und Hauskreisbesuche diesen Gott, von dem ich immer in der Bibel las, kaum kannte. Ich begann nach ihm zu suchen und sprach offen und ehrlich zu ihm und bat ihn darum, ihn kennen lernen zu dürfen.


Sehr viel ist seitdem passiert. Gott hat sich mir auf Arten gezeigt, die ich nie für möglich gehalten hätte. Mir ist bewusst, dass er nur auf diesen Moment der Kapitulation gewartet hat. Alles andere hatte er längst für mich vorbereitet. Durch einen „Zufall“ (Zufälle gibt es natürlich bei Gott nicht) konnte ich spontan mit zu einer Frauenkonferenz im Glaubenszentrum Bad Gandersheim fahren. Dort angekommen, war ich noch ziemlich nüchtern gestimmt. Am ersten Abend sprach eine sehr sympathische Frau auf der Bühne zu uns, dass Gott für jede Frau ein Stück Kuchen vorbereitet hätte. Mit oder ohne Sahne, wie es die diejenige eben mag. Ich fand diesen Satz ziemlich profan und überhaupt nicht ansprechend. Meine Erwartungen waren nicht besonders hoch.
Direkt am nächsten Morgen erlebte ich während der ersten Lobpreiszeit, wie Gott mein Herz
geöffnet hat. Mein Schmerz floss in Strömen aus mir heraus, solange bis sich unter mir eine
regelrechte Pfütze meiner Tränen gesammelt hat. Das war der Beginn meines Heilungsprozesses.
Viele Seminare, Predigten und Zeiten der Anbetung, die wie durch einen „Zufall“ alle aufeinander aufbauten, wie zugeschnitten auf mich persönlich, nahmen mein Herz auseinander und setzten es in der richtigen Reihenfolge wieder zusammen. Der Vers 26 aus Hesekiel 36 wurde Realität in meinem Leben: „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz.“ Gott hatte also tatsächlich das perfekte Stück Kuchen für mich vorbereitet.


Ich kam als neuer Mensch von dieser Frauenkonferenz zurück und auch jetzt, nach mehr als einem Jahr danach, hört die neu gewonnene Freude nicht auf. Jeden Tag aufs Neue erlebe ich Gottes Gnade, seine Liebe, seinen Zuspruch und ich erlebe wie sich wahre Freiheit anfühlt. Meine tiefste Sehnsucht ist es Gott näher kennen zu lernen und jeden Tag, bis in die Ewigkeit, ganz nah bei ihm zu sein. Ich möchte endlich lernen die richtigen Waffen einzusetzen. Für ihn kämpfen und nicht für mich. Daher habe ich den Entschluss gefasst Theologie zu studieren und mein Leben zu investieren, um an seinem Reich zu bauen. Nicht weil meine Werke einen Unterschied machen, sondern weil er den Unterschied macht in meinem Leben. Amen?

Attribute Gottes

Über die Eigenschaften Gottes kann man aus verschiedenen Quellen Rückschlüsse ziehen. Die Bibel, als Wort Gottes, betrachte ich dabei als zuverlässige Quelle. Durch eigene Erfahrungen, Betrachtungen der Schöpfung Gottes und durch Zeit, die ich mit Gott verbringe, verdichten sich die Informationen zu einem Gesamtbild. Dabei sind die jeweiligen Perspektiven nicht als statisch anzusehen. Das Bild kann variieren und verändert sich im Laufe meines Lebens. Im Besten Fall verhält es sich ähnlich zu einer Kamera-Linse. Mein Gottesbild wird zeitweise diffuser, um sich dann erneut auf gewisse Einstellungen und Perspektiven zu fokussieren und klarer zu werden. Diese Einstellungen verändern sich und beleuchten dadurch unterschiedliche Aspekte zu verschiedenen Zeiten und Phasen meines Lebens.

Die eindrucksvolle Perfektion der Schöpfung weist für mich, ohne Zweifel, auf eine planende Schöpferkraft Gottes hin. Dass die Schöpfung ein Zufallsprodukt sein könnte, ist für mich ausgeschlossen. Ich kann Gottes ewige Existenz nicht leugnen, wenn mir seine unendliche Kraft und Vollmacht bewusstwird, die Grundlage zur Erschaffung der Welt ist. In Römer 1,20 und Psalm 90,2 lesen wir von dieser Schöpfungskraft, die meine Hochachtung verdient.

Hebräer 13,8 gibt hingegen Aufschluss über die Tatsache, dass Jesus Christus existierte bevor die Schöpfung war, dass er als Mensch für uns greifbar nah und trotzdem weiterhin Gott war und jetzt zur Rechten des Vaters sitzt. Für mich persönlich bedeutet das, dass dieser Gott nicht nur unveränderlich ist, sondern auch tatsächlich erreichbar ist und ich mit ihm Gemeinschaft haben kann. Ich kann mich darauf verlassen, dass Gott derselbe bleiben wird und seine Meinung über mich nicht ändert. Jakobus 1,17 besagt, er hat Gutes für mich im Sinn und dieses Versprechen bleibt immer bestehen. Nach 2. Mose 3,14f. gilt der Name Gottes „ich bin, der ich bin“ für alle Zeiten. Gott ist, wer er ist und verändert sich nicht. Mit einem Namen verbindet man meist unterbewusst gewisse Eigenschaften. Allein die Nennung eines Namens führt durch Prägungen und gewonnene Erfahrungen des Lebens bereits zu Assoziationen. Der neutrale Name „ich bin, der ich bin“ verhindert diese gedanklichen Reflexionen und Kombinationen. Gleichzeitig lädt er dazu ein, darüber nachzudenken, wer Gott ist und welche Eigenschaften er hat, beispielsweise dass er unveränderlich ist.

Aus der Geschichte, die Gott mit seinem Volk in der Vergangenheit geschrieben hat, wie beispielsweise 2. Mose 6,2f. berichtet, kann ich lernen, dass er seine Versprechen hält und zu seinem Wort steht, egal was passiert. Seine Allmacht wird unter anderem in Jeremia 32,17 und Jesaja 14,27 deutlich. Mir wird bewusst, wie unbedeutend meine Schwierigkeiten im Alltag sind. Im Vergleich zu seiner Macht wirkt jeder Konflikt lösbar. Gott ist Herrscher über jedes Land in der Welt (vgl. 2. Chronik 20,6). Unruhen, Kriege oder Pandemien können mich beunruhigen. Zu wissen, dass Gott auch hierüber wacht, gibt mir die Kraft ihm alles anzuvertrauen und ihm die Führung meines Lebens zu übergeben. Ich kann ruhig werden und mich Gott anvertrauen. 

Auch wenn ich vielleicht Zeiten erlebe, in denen ich mich Gott nicht nahe fühle und ihm weniger Platz in meinem Leben einräume, mache ich die Erfahrung, dass er mich nie allein lässt. Er geht mir nach und begleitet mich. Der Psalmist drückt das in Psalm 139,7-10 aus. Auch in 1. Könige 8,27 wird die Allgegenwärtigkeit Gottes deutlich. Gerade in der momentanen Phase, der Zeit der Corona-Pandemie, erlebe ich wie Gott außerhalb von Kirchengebäuden und Zusammenkünften wirkt. Sein Geist ist präsent, wo auch immer wir ihn anbeten. Gottes Versprechen in Matthäus 28,20 bei uns zu sein, bis zum Ende der Welt, erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude.

Oft hindern mich Scham oder Feigheit daran, mit meinen Gefühlen und Gedanken zu Gott zu kommen. Wenn mir dann bewusstwird, dass Gott, da er allwissend ist, meine Gedanken bereits kennt, bevor ich sie überhaupt gedacht habe, hilft mir diese Erkenntnis dabei, diese Scham zu überwinden. Laut Psalm 139,1-4 kennt Gott mich durch und durch und wird daher auch verstehen, wenn ich einen Fehler mache. Er kennt meine Beweggründe dafür und er kennt den Weg, der mich dorthin gebracht hat. Ich kann mich ihm in allem anvertrauen und ihn um Vergebung bitten.

Diese Welt lässt Gerechtigkeit oft vermissen. Menschen erleben grauenvolle Dinge und handeln erbarmungslos gegeneinander. Wie die Gerechtigkeit Gottes auch beschaffen sein mag, ich muss es nicht verstehen, um ihm mein volles Vertrauen zu schenken, da er allein den Überblick behält. Der Gedanke, dass Gott alles, auch Verborgenes, sieht (Hebräer 4,13) tröstet mich und schenkt mir Zuversicht. Die in Hiob 37,16 formulierte Frage kann ich nur verneinen. Ich verstehe nicht die Wunderwerke Gottes und die mannigfaltigen Einzelheiten seiner Schöpfung. Hiobs Worte „Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen! Darum widerrufe ich meine Worte, ich bereue in Staub und Asche!“ (Hiob 42,5f.) zeigen, dass die Offenbarung von Gottes Größe zu Demut führt. Kein Mensch kann die Schöpfung je ganz begreifen. Gott ist höher als alles in der Welt.

Um Gottes ewige Existenz und seine weiteren Attribute, unveränderlich, allmächtig, allgegenwärtig und allwissend, zu wissen, ersetzt keine persönliche Beziehung zu Gott. Mein Gebet ist und bleibt, Gott in seinen Facetten und Eigenschaften besser kennen lernen zu dürfen. Je mehr ich von ihm erfahre und mit ihm erlebe, desto mehr bin ich in der Lage ihm zu vertrauen und immer weitere Bereiche meines Lebens seiner vollständigen Führung zu überlassen. Dabei verlasse ich mich auf das Versprechen, das Gott mir in Philipper 1,6 gibt: „Ich bin ganz sicher, dass Gott sein gutes Werk, das er bei euch begonnen hat, zu Ende führen wird, bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus kommt.“ (HFA)