Auf das Verzichten verzichten?

Am Aschermittwoch, zu Beginn der Fastenzeit, bewegen mich die Worte von Dietrich Bonhoeffer: „Wie will einer im Glauben leben, (…), dem Schlafen, Essen und Geschlechtslust immer wieder die Freude an Gott rauben?  

Er stellt die Frage, ob es nicht herzlos wäre, den Menschen zu raten, sich nur am Glauben festzuhalten, ohne darauf hinzuweisen, dass Verzicht dabei eine wichtige Übung ist. Ein wirksames Instrument um Platz zu schaffen.

Verzicht schafft Raum.

Raum für mich selbst. Raum zum Denken, Empfinden, Beten und Hören.

Aber verzichten wir nicht gerade jetzt bereits auf so Vieles? Tut es mir gut, noch auf etwas Weiteres zu verzichten, nur, weil gerade Fastenzeit ist?

Aus meiner Sicht ist ein fremd diktierter Verzicht eine aufgezwungene Einschränkung.

Meine eigene Entscheidung zum Verzicht jedoch, macht mich frei. Frei von Süchten, frei von Verlangen, frei von Gewohnheiten.

Ich habe mir vorgenommen diese Fastenzeit als Vorbereitung für das Osterfest zu nutzen. Mich vorzubereiten auf die hoffnungsvollste Begebenheit, die jemals in der Geschichte der Welt passiert ist. Die Auferstehung von Jesus Christus. 

Die Geräusche der Welt etwas leiser drehen, um mich zu öffnen und frei zu werden für neue Gedanken, für neue Hoffnungen, für Freude.

Normalerweise scrolle ich direkt vor dem Schlafengehen nochmal durch die sozialen Medien, um auf dem Neusten Stand zu sein. Dabei stürmen sämtliche Nachrichten aus meinem persönlichen Umfeld und aus dem allgemeinen Geschehen der Welt auf mich ein. Das letzte was ich am Abend sehe ist der Bildschirm meines Smartphones. Und das erste was ich am Morgen sehe ist der Wecker auf ebendiesem Bildschirm meines Smartphones.

In dieser Fastenzeit habe ich mein Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannt.

Mich weckt jetzt ein Radiowecker, häufig mit einer fröhlichen Stimme oder einem Lied.

Am Abend greife ich statt zum Smartphone häufig zu einem Buch, das neben meinem Bett bereitliegt. Darauf steht in großen Lettern B-I-B-E-L.

Darin lese ich nicht von aktuellen Geschehnissen und was heute wieder Schreckliches passiert ist in der Welt. Ich lese von der Hoffnung für die Welt. Ich lese von einer Hoffnung, die für mich auch heute so aktuell ist wie für die Menschen vor 2000 Jahren.  

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