Die heutige, westliche Gesellschaft kennt unterschiedlichste Partnerschaftskonzepte. Patchworkfamilien, homosexuelle Paare mit oder ohne Kinder, Alleinerziehende oder Lebensgemeinschaften anderer Arten sind längst keine Seltenheit mehr. Dies mag auch daraus resultieren, dass sich der Fokus in einer Partnerschaft von einer gesellschaftlichen bzw. kulturellen Ordnung und wirtschaftlichen Versorgung heraus hin zu einer Perspektive auf die emotionale Bindung zwischen den Partnern, die gegenseitige Liebe, verändert hat. Ist daher heutzutage ein biblisch fundiertes, christliches Ehekonzept nicht längst überholt und sollte vielmehr der gesellschaftlichen Realität angepasst werden?
Sowohl im alttestamentarischen, als auch neutestamentarischen Verständnis soll die Ehe einen Rahmen der Ordnung, der Sicherheit und der Versorgung bieten. Selten ist von Zuneigung oder Liebe die Rede, bis auf wenige Ausnahmen wie bei Isaak und Rebekka oder Elkana und Hanna, die Eltern des Propheten Samuel. Im Neuen Testament hingegen lassen sich generell kaum narrative Texte ausmachen, die überhaupt von Ehe erzählen. Ist es daher überhaupt angemessen sich an biblischen Texten zu orientieren, wenn man Empfehlungen für eine gelungene Ehe sucht?
Im Hinblick auf die Wandlung von Partnerschaftsformen, mag die Betrachtung steigender Ehescheidungsraten nicht ausreichen, um ein vollständiges Bild von gelungenen oder eben misslungenen Partnerschaften zu erhalten. Insgesamt empfinde ich jedoch den Trend weg von dauerhaften Verpflichtungen von Partnern zu kurzlebigeren so-lange-es-mir-Spaß-macht-Verbindungen augenfällig. Was also zeichnet eine gelungene Partnerschaft aus? Das wird auch davon abhängen, ob Erfüllung in Stabilität oder in Abwechslung gesucht wird. Meine eigene Präferenz liegt definitiv darin, einen Partner zu wählen, dem ich mich kompromisslos anvertrauen kann und mit dem man einen geschützten Rahmen aufbauen kann, in dem ich mich frei entfalten darf. Diese ambitionierten Ziele sind sicherlich leichter umsetzbar, wenn man nicht unter Zeitdruck steht. Ich würde sogar unterstellen, dass der Blick auf eine dauerhafte, gar lebenslange Verbindung einen solchen Rahmen erst erschaffen kann. Dann nämlich, wenn ich nicht in der ständigen Sorge leben muss, dass die Verbindung wieder aufgelöst werden könnte.
Will man eine dauerhafte Liebesbeziehung mit lebenslang anhaltenden Emotionen führen, so scheint dieses Ziel fast unerreichbar und endet häufig in Überforderung und Frustration. Aus meiner Sicht lässt sich das Ziel einer dauerhaften Verbindung von Partnern, wesentlich leichter erreichen, wenn nicht ich selbst oder mein Partner im Fokus stehen, sondern Gott der Mittelpunkt meines Lebens und meines Herzens ist und ich in dieser Beziehung in erster Linie Erfüllung finde. Aus dieser Sichtweise heraus entfallen meine eigenen Anforderungen den Partner aus eigener Kraft heraus „glücklich“ machen zu müssen, genau wie der Anspruch an mein Gegenüber genommen wird.
Bereits an erster Stelle des Dekalogs findet sich das Gebot: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (Ex 20,3) und im Neuen Testament betont Jesus in der prominenten Bergpredigt: „Trachtet vielmehr zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch das alles dazugegeben werden.“ (Mt 6,33), was ich als Aufforderung verstehe, Gott an erste Stelle zu setzen, eben auch über meinen Partner.
Für mich persönlich ist damit keine Einschränkung auf heterosexuelle Eheformen verbunden. Schlussendlich bleibt das eine Frage der persönlichen Hermeneutik. Welche Form von Partnerschaft gelebt wird ist für das Gelingen aus meiner Sicht sekundär. Wichtig ist allein die Perspektive und den Fokus auf Gott zu behalten und bei ihm Erfüllung zu finden.